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Selbst entrümpeln: Wann es sich lohnt und wann nicht

Ein Keller lässt sich am Wochenende selbst räumen. Eine Vier-Zimmer-Wohnung meistens nicht. Eine ehrliche Rechnung mit Zahlen aus der Praxis.

Leere, gekehrte Garage nach einer erfolgreichen Entrümpelung
Eine Garage schafft man am Wochenende selbst. Bei einer Vierzimmerwohnung sieht die Rechnung anders aus.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Kellerabteil oder eine Garage lassen sich gut in Eigenregie räumen.
  • Ab etwa 60 Quadratmetern Wohnfläche kippt die Rechnung meistens zugunsten einer Firma.
  • Realistische Eigenkosten für eine 70-m²-Wohnung: 600 bis 900 Euro plus vier bis sechs Tage.
  • Elektrogeräte, Schadstoffe und Asbest sind die häufigsten Stolperstellen.
  • Wer selbst räumt, haftet selbst – auch für Schäden im Treppenhaus.

Es klingt seltsam, wenn ein Entrümpelungsbetrieb erklärt, wie man selbst entrümpelt. Aber wir telefonieren jede Woche mit Leuten, denen wir am Ende raten, es allein zu machen – weil sich eine Beauftragung für sie schlicht nicht lohnt. Dieser Beitrag beschreibt, wann das der Fall ist und wie Sie dabei vorgehen.

Wann sich Eigenleistung lohnt

Vier Bedingungen sollten zusammenkommen:

  • Überschaubares Volumen. Ein Kellerabteil, eine Garage, ein Zimmer. Alles, was in zwei bis drei Anhängerladungen passt.
  • Ebenerdiger Zugang oder ein Aufzug. Der dritte Stock ohne Aufzug ist der Punkt, an dem die meisten aufgeben.
  • Zeit ohne Frist. Wenn Sie drei Wochenenden haben und niemand auf die Schlüssel wartet.
  • Keine Schadstoffe und keine Elektrogroßgeräte in Mengen. Einzelne Geräte sind machbar, ein ganzer Keller voll nicht.

Fehlt eine dieser Bedingungen, wird es meistens teurer, als es aussieht – oder es bleibt auf halbem Weg liegen. Wir werden regelmäßig gerufen, wenn jemand ein Drittel geschafft hat und merkt, dass die Zeit nicht reicht.

Die ehrliche Rechnung

Rechnen wir es an einer Dreizimmerwohnung mit 70 Quadratmetern im zweiten Stock durch, normal möbliert.

PositionAufwandKosten
Anhänger oder Transporter, 3 TageMiete plus Sprit180 – 330 €
Fahrten zum Wertstoffhof6 bis 10 Fahrten à 1,5 StundenZeit plus Sprit
SperrmüllanmeldungWartezeit 2 bis 6 Wochenmeist gebührenfrei
Zusätzliche Entsorgung über der Freimengenach Gewicht150 – 400 €
Schadstoffe und Elektrogerätegesonderte Fahrten0 – 80 €
Werkzeug, Handschuhe, Säcke, Vlieseinmalig80 – 150 €
Helfer verpflegenzwei Personen, drei Tage100 – 180 €
Ihre Arbeitszeit40 bis 50 Stundenunbezahlt

Sie landen bei etwa 600 bis 900 Euro Sachkosten und 40 bis 50 Arbeitsstunden. Eine Beauftragung kostet für dasselbe Objekt 2.300 bis 3.300 Euro. Die Differenz von rund 2.000 Euro entspricht bei 45 Stunden einem Stundenlohn von etwa 45 Euro – dafür, dass Sie Möbel durch ein Treppenhaus tragen und Ihre Wochenenden ausfallen.

Ob sich das lohnt, ist eine persönliche Entscheidung. Bei einem Kellerabteil sieht die Rechnung völlig anders aus: Dort stehen 390 Euro Auftragswert etwa 60 Euro Eigenkosten und einem halben Samstag gegenüber. Da würden wir es selbst machen.

Was Sie brauchen

  • Arbeitshandschuhe mit Schnittschutz, feste Schuhe mit Zehenkappe
  • Staubmaske FFP2, bei Schimmel oder Taubenkot FFP3
  • Sackkarre und, wenn möglich, Möbelroller
  • Spanngurte – Ladungssicherung ist Pflicht, nicht Kür
  • Akkuschrauber, Schraubenschlüssel, Cuttermesser, Hammer, Kuhfuß
  • Stabile Big Bags oder Bauschuttsäcke, keine dünnen Müllsäcke
  • Abdeckvlies für das Treppenhaus, Kantenschutz für Ecken
  • Eine Stirnlampe, wenn im Keller kein Licht ist

In sieben Schritten

  1. Termin beim Wertstoffhof planen. Öffnungszeiten und Annahmebedingungen vorher prüfen, insbesondere für Elektrogeräte und Schadstoffe.
  2. Sperrmüll anmelden. Bei der Stadt Mannheim online oder telefonisch. Der Termin liegt oft einige Wochen entfernt – das gibt den Zeitplan vor.
  3. Vier Zonen einrichten. Behalten, verkaufen oder verschenken, entsorgen, Schadstoffe. Am besten je ein Zimmer oder eine Ecke.
  4. Von hinten nach vorne arbeiten. Beginnen Sie im entferntesten Raum. So bleibt der Weg zur Tür frei und Sie sehen jeden Abend Fortschritt.
  5. Möbel zerlegen. Ein zerlegter Schrank passt durch jede Tür und in jeden Anhänger. Zehn Minuten Arbeit sparen eine halbe Stunde Gezerre.
  6. Getrennt laden. Altholz, Metall, Elektro, Restmüll getrennt – das spart Gebühren und Zeit bei der Annahme.
  7. Zum Schluss reinigen. Erst wenn alles raus ist. Vorher fegen bringt nichts.
Gefüllte Garage mit Kisten, Werkzeug und Gartengeräten vor der Räumung
Eine Garage wie diese ist ein realistisches Wochenendprojekt – wenn niemand auf die Schlüssel wartet.

Wo es gefährlich wird

Vier Situationen, in denen wir dringend abraten:

Asbestverdacht. Eternitplatten, alte Nachtspeicheröfen, Bodenbeläge und Kleber aus den sechziger und siebziger Jahren, Rohrisolierungen. Asbest darf nur nach TRGS 519 von geschulten Personen entfernt werden. Wer daran mit dem Winkelschleifer arbeitet, setzt Fasern frei, die noch Jahrzehnte später Schaden anrichten.

Schimmel auf größerer Fläche. Ab etwa einem halben Quadratmeter sollte mit Vollschutz gearbeitet werden. Sporen verteilen sich beim Ausräumen über die ganze Wohnung.

Taubenkot und tierische Hinterlassenschaften. Auf Dachböden häufig. Kann Erreger enthalten, die über die Atemwege aufgenommen werden. FFP3 und Schutzanzug sind hier Minimum.

Schwere Lasten über Treppen. Klaviere, Tresore, gusseiserne Badewannen, massive Schränke. Zwei Bandscheibenvorfälle kosten mehr als jede Entrümpelung, und ein Sofa, das im Treppenhaus umkippt, beschädigt in der Regel mehr als sich selbst.

Und ein Punkt, der oft übersehen wird: Für Schäden im Treppenhaus haften Sie selbst. Wenn beim Tragen der Handlauf abreißt oder die Wand beschädigt wird, zahlt Ihre Privathaftpflicht – wenn sie es tut. Wir sind für genau solche Fälle betriebshaftpflichtversichert.

Unsicher, ob es sich lohnt?

Rufen Sie an und beschreiben Sie kurz Ihr Objekt. Wir sagen ehrlich, ob eine Beauftragung sinnvoll ist – auch wenn die Antwort einmal Nein lautet.